Einen Moment bitte ...

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Wusstest Du schon?

Oberthulba

Im Waldfensterer Forst zwischen Öhrberg und Hassenbach lag ein Steinbruch. Dort lebte vor langen Zeiten eine wilde Frau mit ihren zwei Töchtern in einer Höhle. Ihren Unterhalt verdienten sie mit Garnspinnen. Viele Bauern der umliegenden Dörfer legten abends ihre Flachsknäuel vor die Tür der Höhle mit einem Geldlohn. Am nächsten Morgen lag der Flachs bereits gesponnen vor dem Eingang.

Eines Tages entdeckte man im Öhrbach Blutflecken. Seit dieser Zeit blieben die Flachsknäuel unbearbeitet und die Frau wurde mit ihren Töchtern nie wieder gesehen

Ein alter Bauer aus Reith hatte in der Nähe des ehemaligen Weiprechtskirchleins eine Waldwiese, die er an einem schönen Sommermorgen mähte. Da vernahm er plötzlich aus der nahen Grenzhecke ein merkwürdiges Geräusch. Bei näherer Betrachtung machte er eine schauerliche Entdeckung.- Auf einem Haufen blanker Goldmünzen lag eine scheußliche Schlange, die dem Bauern zornig Gift und Galle entgegenspie. Er wich zwar erschrocken zurück, doch kam ihm blitzschnell in den Sinn, hier könne nur der Teufel in Schlangengestalt einen Schatz bewachen.

Der alte Mann eilte nach Hause, nahm vom frisch gebackenen Brot den ersten Laib, schnitt ein weiches Stück heraus, drückte ein tiefes Loch hinein‚ füllte es mit geweihtem Salz und Würzweihkräutern, segnete das Brot und eilte zum Schlangenplatz zurück. Wieder zischte die Schlange ihm zornig entgegen. Er aber schleuderte das gesegnete Brot direkt in den Rachen des Untiers. Die Wirkung war überraschend: Plötzlich war die Schlange wie vom Erdboden verschwunden, das viele Gold aber blinkte fre auf dem Haufen. Nun raffte der Bauer gierig den Schatz zusammen, stopfte die Dukaten in einen großen Sack, den er eigens dafür mitgebracht hatte, und eilte mit der schweren Beute nach Hause. Dort schüttete er seinen Schatz auf einen mächtigen Eichentisch

und ließ von der ganzen Familie den neuen Goldsegen bestaunen.

Als man gerade Pläne für die Verwendung des Goldes machte, klopfte es heftig an die Tür. Im Nu war das Geld versteckt. – In die Stube trat der Amtsbote der Propstei Thulba und erklärte, der alte Bauer habe am Platz der ehemaligen Weiprechtskirche einen Schatz gehoben, der altes Kircheneigentum sei und somit sei heute das Kloster Thulba rechtmäßiger Besitzer. Er solle dort die Münzen abliefern, andernfalls aber schwören, keinen Schatz gefunden zu haben. Der gottesfürchtige Alte wollte aber sein Gewissen nicht belasten und lieferte, wenn auch schweren Herzens, den Goldfund im Kloster Thulba ab.

In Thulba lebte vor vielen Jahrhunderten ein Priester, der angeblich bezweifelte, wenn er es auch nicht öffentlich zugab, daß in der heiligen Messe der Wein in das Blut Christi verwandelt werde.

Eines Tages passierte das Mißgeschick, daß ihm am Altar der Kelch umfiel, nachdem er die Wandlungsworte gesprochen hatte. Sein plötzlicher Schreck verwandelte sich in Furcht und Grauen, als wirklich es Blut über das Leinentuch der Hostie floß. Sofort raffte er das Corporale zusammen, versteckte es hinter dem Tabernakel und setzte seine Messe mit gespielter Ruhe fort. Am nächsten Morgen aber war der Priester krank und verstarb bereits nach drei Tagen. Erst auf dem Sterbebett erstattete er seinem Beichtvater Bericht von dem Vorfall.

Man legte das Wundertuch in ein kostbares Gefäß und beschloß, es von drei frommen Männern der Gemeinde dem Fuldaer Fürstabt zu überreichen. Als diese aber das Gebiet des Bistums Würzburg betreten wollten, hörten sie in Thulba alle Glocken läuten. Sie wurden sehr verlegen, als sie entdeckten, daß das Tuch aus dem Gefäß verschwunden war. Sofort kehrten die drei Männer nach Thulba zurück. Dort erlebten sie die nächste Überraschung: Im Dorf hatte niemand ein Geläute vernommen, hingegen fand man nach kurzem Suchen das blutige Tuch wieder am alten Platz hinter dem Tabernakel.

Nun sollten drei andere Männer ihr Glück versuchen und mit dem Tuch nach Fulda pilgern. Aber auch sie hatten die gleichen Erlebnisse. Sogar ein dritter Versuch mißlang auf diese Weise: Immer hörte man die Glocken läuten, in Thulba aber nicht, auch das Tuch war verschwunden. Nur war es

diesmal nicht mehr auffindbar.

Man sah keinen anderen Weg mehr, als den Vorfall dem Abt von Fulda zu berichten. Dieser ordnete an, das Innere der Kirche gründlich zu renovieren und dabei jedes Eckchen zu untersuchen. Eines Tages fand man wirklich das Tuch hoch oben hinter den Altaraufbauten , die ohne Gerüst nicht erreichbar sind.

Von dieser Stunde an blieb das geheimnisvolle Corporale in der Kirche zu Thulba, wo es heute noch zu sehen ist.

Im Elfershausener Wald, in der Flurabteilung Jägerschneid, erhebt sich ein Pfeilerbildstock aus rotem Sandstein mit einem Marienbildnis und der Inschrift:

MUTTER GOTTES, SÜSSE, O MARIA HILF!

Um dieses Bildnis ranken sich zwei Erzählungen:

Einst war ein großer Brautwagen mit mehreren Gästen von Elfershausen nach Wittershausen unterwegs. Die Straße führte durch einen dunklen Wald. Plötzlich sprang aus dem Dickicht ein Fuchs auf den Wagen, direkt unter die Hochzeitsgäste. Alle Versuche, das Tier zu verjagen, scheiterten; selbst der Fuhrmann konnte mit seinem Peitschenstiel den hartnäckigen Meister Reinecke nicht vertreiben. Niemand hatte den Mut, das vielleicht tollwütige Tier zu packen und vom Wagen zu werfen. Da rief einer die Mutter Gottes um Hilfe an – sofort sprang der Fuchs vom Wagen und verschwand urplötzlich im Wald.

Noch eine andere Erzählung rankt sich um diesen Bildstock:

Auf einem Weg durch den großen Wald, der zwischen Thulba und Wittershausen liegt, wurde eine Frau überfallen. In ihrer Todesangst rief sie: „O, Maria hilf!". Der Unmensch jedoch tötete sein Opfer und tarnte es mit Reisigbündeln. Am anderen Tag wurde es dennoch schon entdeckt. Der Täter soll aus Reue und Sühne diesen Bildstock gestiftet haben aber unerkannt geblieben sein.

Quellennachweis und Anmerkungen

  1.    1

    Lisiecki, Josef; Hrsg. Landkreis Bad Kissingen; Sagen und Legenden aus dem Landkreis Bad Kissingen; 1982

    Vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus durch Entschließung Nr. A/11-12/3484/83 vom 29.03.1983 zum Gebrauch an Volksschulen lernmittelfrei zugelassen.

    Nachdruck – auch auszugsweise – nur mit Quellenangabe gestattet.

  2.    2

    Nach heimatkundlicher Stoffsammlung de Lehrer des Landkreises Brückenau

  3.    3

    Geschichten und Sagen des Hammelburger Raums S. 24 und 25 nach Hammelburger Zeitung – Heimatblätter vom 03.04.1935 von J. Seufert

  4.    4

    Geschichten und Sagen des Hammelburger Raums S. 32 nach Volkssagen im Saalegau S. 70 von O. Forsch, Würzburg nach A. W. Nikola

  5.    5

    Die Flurdenkmale im Landkreis Bad Kissingen Band 3 S. 393/Geschichten und Sagen des Hammelburger Raumes S. 55, von Karl Stöcker

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Lisiecki, Josef; Hrsg. Landkreis Bad Kissingen; Sagen und Legenden aus dem Landkreis Bad Kissingen; 1982

Vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus durch Entschließung Nr. A/11-12/3484/83 vom 29.03.1983 zum Gebrauch an Volksschulen lernmittelfrei zugelassen.

Nachdruck – auch auszugsweise – nur mit Quellenangabe gestattet.

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Nach heimatkundlicher Stoffsammlung de Lehrer des Landkreises Brückenau

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Geschichten und Sagen des Hammelburger Raums S. 24 und 25 nach Hammelburger Zeitung – Heimatblätter vom 03.04.1935 von J. Seufert

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Geschichten und Sagen des Hammelburger Raums S. 32 nach Volkssagen im Saalegau S. 70 von O. Forsch, Würzburg nach A. W. Nikola

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Die Flurdenkmale im Landkreis Bad Kissingen Band 3 S. 393/Geschichten und Sagen des Hammelburger Raumes S. 55, von Karl Stöcker