Einen Moment bitte ...

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Wusstest Du schon?

Nüdlingen

Einst waren ein Mädchen aus Haard und zwei Burschen aus Nüdlingen auf dem Heimweg von einem Münnerstädter Markt. Beide Jungen hatten sich in das Mädchen verliebt und bemühten sich, dessen Herz zu gewinnen. Der eine fühlte sich aber bald zurückgesetzt, hatte vielleicht auch zuviel getrunken und begann mit dem anderen einen Streit, wobei er in einer plötzlichen Gemütserregung ein Messer zog und seinen Rivalen niederstach. Auf der Höhe des Maitals errichtete man für den Toten ein Gedenkkreuz.

Das Mädchen war über diese Tat so entsetzt, daß es fluchtartig in Richtung Burghausen davonrannte. Der rabiate Bursche aber sprang ihm nach und holte es ein. Vor lauter Abscheu wandte es sich von ihm ab und drohte, den Mörder dem Gericht auszuliefern. In seiner Kopflosigkeit und Panik stach er auch das Mädchen nieder. Ein Kreuz im Mönchsholz bei Burghausen erinnert auch an diese grausame Tat.

Nun rannte der Bursche allein durch den Wald gen Nüdlingen. Dabei kam ihm seine gräßliche Bluttat erst so recht zum Bewußtsein. Furcht und Schrecken vor dem irdischen und göttlichen Richter packten ihn und er sah sich schon von einer gröhlenden Menschenmenge umgeben am Galgen baumeln. Als er dann von der Höhe aus, die heute „die Marter" genannt wird, sein Heimatdorf und sein Elternhaus liegen sah, begann er seine dritte Kurzschlußhandlung; er richtete sich selbst und stach sich das Mordmesser ins eigene Herz. Auch dort steht ein Kreuz, wo er tot gefunden wurde.

So stehen auf dem Weg zwischen Haard und Münnerstadt drei steinerne, etwa einen Meter hohe Kreuze als Mahnmale für jene furchtbare Bluttat.

Ein Kilometer östlich von Nüdlingen erhebt sich der Huhnberg , auf dem der Sage nach einst eine Burg gestandenhaben soll. Als man die Burg gründen wollte, suchte man nach einem Namen. Da entdeckte man auf der Kuppe des Berges ein Haushuhn, das dort ein Ei legte. So nannte man den Berg Huhnberg und die dann neu erbaute Burg die Huhnburg. Damit hatte man auch einen namentlichen Unterschied zum Henneberg und der Henneburg südlich von Meiningen. In das Wappen der Huhnburg nahm man ein Haushuhn auf, während das Wappen der Henneburg ein Wildhuhn zeigt.

Die Sage erzählt weiter, daß seit der Erbauung der Burg alle 100 Jahre mittags und mitternachts ein Huhn auf dem Schloßberg dreimal fröhlich schreit und so ein neues Jahrhundert verkündet nach dem Spruch der Chronik:

Hier hat gelegt das Huhn ein Ei,

daß Burg und Berg benennet sei .

Noch heute sollen unter den verschütteten Kellern der Huhnburg große Mengen an Geld und Wein vergraben liegen. Wer den Burghof betritt, ohne an die Schätze und deren Hebung zu denken, entdecke eine kleine Öffnung, die in die Tiefe führt. Benütze er dieses Glück, so könne er reich werden, jedoch böte sich diese Gelegenheit nie ein zweites Mal. Wer einen Stein in diesen Schacht werfe, höre nie dessen Aufschlag, so tief lägen Keller und Schätze. Alle bisherigen Grabungen seien gänzlich fehlgeschlagen . So harren die Schätze immer noch auf den, der ohne habsüchtige Absichten die geheimnisvolle Öffnung findet und den Mut hat, sich in diese Tiefe zu begeben.

In diesem Burghof wurde – so die Sage – lange nach der Zerstörung der Schloßanlage eine große Glocke von Schweinen freigewühlt, die sofort im Kirchturm von Nüdlingen eine neue Bestimmung fand. Die Bevölkerung dieses Dorfes war bald von den Zauberkräften dieser Glocke überrascht, denn soweit ihr heller Klang ins Umland vordrang, gab es weder Fröste noch Gewitter . Eines Tages verkaufte man diese Glocke nach Würzburg und installierte zwei neue, wenn auch kleinere Glocken auf dem Turm der Nüdlinger Kirche. Von diesem Tag an war sowohl in Würzburg wie auch in Nüdlingen die wohltätige Wirkung der Huhnburgglocke verlorengegangen. Nur an der Ostseite des Huhnberges scheint noch die Wirkung der alten Glocke lebendig zu sein, denn dort schmilzt der

Schnee, sowie er dort fällt.

Nach einer alten Sage gab es vor langer Zeit in Nüdlingen einen merkwürdigen Brauch: Am ersten Pfingstfeiertag eines jeden Jahres mußten vier Nüdlinger Bürger einen Sarg auf dem Schloßplatz der sagenhaften Huhnburg herumtragen , zum Andenken an den Kirchenstifter der Gemeinde und dessen Begräbnis.

Während dieses Umzuges mit dem Sarg hatte die Nüdlinger „Wunderglocke" zu läuten, die einmal Schweine im Burghof aus dem Boden gewühlt hatten.Doch nach vielen Jahren hat man auf diesen Brauch verzichtet, vermutlich hatte die Geistlichkeit sogar diesen Umzug verboten.

Das Glockenläuten zu Ehren des Kirchenstifters aber wurde noch jahrelang fortgesetzt, bis eines Tages der Nüdlinger Pfarrer auch diesen Brauch untersagte. Aber wer hätte es für möglich gehalten, daß die sagenumwobene Glocke auch ohne fremde Hilfe zu läuten begann. Die Bevölkerung wurde dadurch in maßloses Staunen versetzt, der Pfarrherr aber von so merkwürdiger Angst und Unruhe befallen, daß er das Läutverbot wieder aufhob. Nun fand auch er seinen Seelenfrieden wieder. Noch heute sagt man im Ort: „Es wird zum Toten geläutet".

In der Flurabteilung Mehlbirnbaum bei Nüdlingen stand nach der Sage in alten Zeiten ein Kloster und um dieses herum ein Dorf aus Lehmhütten. Über den Untergang des Klosters und des Dorfes ist nichts überliefert.

Tatsache ist, daß das Landesamt für Denkmalpflege in Würzburg 1957 „von der Auffindung einer mörtelgebundenen Mauer" in der Flurlage Mehlbirnbaum spricht (K. Knauth).

Noch heute kann man auf Grundmauerreste stoßen, was viel leicht zur Vermutung führte, hier sei einst eine Burg gestanden.

Nüdlingen wird durch die Bundesstraße 287 in einen nördlichen und in einen südlichen Teil getrennt. In der Mitte der südlichen Ortshälfte stand nach der Sage eine Burg, die mit Mauern , Türmen, Gräben, einem Zwinger und Außenwerken befestigt war. In den Mauern dieser stattlichen Burg wohnten die Freien und Adeligen, die hier ihren ständigen Wohnsitz hatten.

Außerhalb dieser Festung waren die Wohnungen der Untertanen und die Hütten der Vasallen, aber auch große Felder und Wälder der Herrschaft

Von der Wunderkraft der Nüdlinger Huhnburgglocke berichtet noch eine interessante Sage:

Ein für seine Geldgier und Habsucht bekannter Amtmann der Grafen von Henneberg schloß sogar mit dem Satan einen Pakt, um seinen Reichtum zu vermehren. Am Pfingstfeiertag sollte der Vertrag ablaufen, dann könne der Herr der bösen Geister über ihn verfügen.

Der Tag kam. Wie zu erwarten war, erfaßte den Amtmann eine schreckliche Angst und er sann auf einen Trick, um den Teufel zu überlisten oder das eigene Leben zu verlängern. Wie ein Geschenk des Himmels fiel ihm die Zauberkraft der Huhnburgglocke in Nüdlingen ein und er befahl, diese an Pfingsten den ganzen Tag über zu läuten.

Der Beelzebub war pünktlich, um sein Opfer mitzunehmen. Aber als er den herrlichen Klang der Zauberglocke vernahm, floh er voll Entsetzen und ließ seine Beute zurück.

Erst viel später brachte er den Nimmersatt in seine Gewalt.

Quellennachweis und Anmerkungen

  1.    1

    Lisiecki, Josef; Hrsg. Landkreis Bad Kissingen; Sagen und Legenden aus dem Landkreis Bad Kissingen; 1982

    Vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus durch Entschließung Nr. A/11-12/3484/83 vom 29.03.1983 zum Gebrauch an Volksschulen lernmittelfrei zugelassen.

    Nachdruck – auch auszugsweise – nur mit Quellenangabe gestattet.

  2.    2

    Geschichten und Sagen des Kissinger Raumes S. 67 und 68 von Hauptlehrerin Rosa Münze, Haare 1936

    auch Flurdenkmale im Landkreis Bad Kissingen Band 1 S. 83

  3.    3

    Sagen des Rhöngebirges und des Grabfeldes S. 245 – 247 Nr. 110 „Schloß Huhnberg“, Nr. 111 „Schätze der Huhnburg“, Nr. 112 „Ausgewählte Glocke auf Huhnberg“/auch Abseits der breiten Wege S. 45 und 46.

    Östlich von Nüdlingen liegt der Schloßberg, nördlich davon der Huhnberg

  4.    4

    Sagen des Rhöngebirges und des Grabfeldes S. 247

  5.    5

    Geschichten und Sagen des Kissinger Raumes S. 24, nach einer Erzählung von Theo Hein, Nüdlingen 1963

  6.    6

    Geschichten und Sagen des Kissinger Raumes S. 25 von Emil Pillich in Nüdlingen Anzeiger vom 14.12.1963 S. 1

  7.    7

    Geschichten und Sagen des Kissinger Raumes S. 24

1

Lisiecki, Josef; Hrsg. Landkreis Bad Kissingen; Sagen und Legenden aus dem Landkreis Bad Kissingen; 1982

Vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus durch Entschließung Nr. A/11-12/3484/83 vom 29.03.1983 zum Gebrauch an Volksschulen lernmittelfrei zugelassen.

Nachdruck – auch auszugsweise – nur mit Quellenangabe gestattet.

2

Geschichten und Sagen des Kissinger Raumes S. 67 und 68 von Hauptlehrerin Rosa Münze, Haare 1936

auch Flurdenkmale im Landkreis Bad Kissingen Band 1 S. 83

3

Sagen des Rhöngebirges und des Grabfeldes S. 245 – 247 Nr. 110 „Schloß Huhnberg“, Nr. 111 „Schätze der Huhnburg“, Nr. 112 „Ausgewählte Glocke auf Huhnberg“/auch Abseits der breiten Wege S. 45 und 46.

Östlich von Nüdlingen liegt der Schloßberg, nördlich davon der Huhnberg

4

Sagen des Rhöngebirges und des Grabfeldes S. 247

5

Geschichten und Sagen des Kissinger Raumes S. 24, nach einer Erzählung von Theo Hein, Nüdlingen 1963

6

Geschichten und Sagen des Kissinger Raumes S. 25 von Emil Pillich in Nüdlingen Anzeiger vom 14.12.1963 S. 1

7

Geschichten und Sagen des Kissinger Raumes S. 24