Einen Moment bitte ...

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Wusstest Du schon?

Bad Bocklet

Um die Weihnachtszeit des Jahres 1541 hatten die Bürger des damals noch recht beschaulichen mittelalterlichen Würzburgs ein nicht alltägliches Erlebnis: eine riesengroße Nachteule setzte sich auf die Kirchtürme und Zinnen der Stadtmauer , heulte und schrie „nach ihrer Art die ganze Nacht, daß jedermann darob erschrocken .. . " (so die Chronik).

Viele Leute sahen in diesen Klagerufen ein großes Sterben für die Zukunft voraus , das um Ostern 1542 auch begann. Die Chronik berichtet dazu wörtlich: „Dann nahm es gewaltig überhand, als daß hinwegzog, wer möchte; auf Montag Timothei ritt Bischof Conrad hinweg gen Aschach und über 14 Tag hernach ward die fürstliche Kanzlei gen Neustadt an der Rhön verlegt. Die Domherren flohen alle hinweg, jung und alt …“

Im Süden von Aschach, alte Bücher nennen es noch Waldaschach, erhebt sich auf einer kleinen Anhöhe das früher hennebergische Grafenschloß Aschach. Nur wenige Meter gegenüber auf dem linken Saaleufer ist ebenfalls ein kleiner Hügel, der Altenberg. Auf ihm soll in alter Zeit auch eine Burg gewesen sein. Nach der Sage war sie ebenfalls ein hennebergisches Schloß , Altenburg genannt. Graf Herrmann von Henneberg, dem das stattliche Schloß in einer Teilung mit seinem Bruder zufiel, machte darauf den Reim:

Am besten mir gefällt das Haus Aschen,
so ich von meinen Brüdern hab erhaschen,
denn es kann füllen Faß und Flaschen,
und auch Geld geben in die Taschen.

Auf diesem kleinen Altenberg hütete einst ein Schäfer seine Herde. Wie es in diesem Beruf oft üblich ist, vertreibt man seine Zeit mit Beobachtungen von Blumen, Käfern und Sträuchern oder man betrachtet seltene Gesteine. Dabei fand der Schäfer ganz zufällig unter einem Stein einen großen alten und sonderbaren Schlüssel. Auch entdeckte er ganz in der Nähe eine alte eiserne Tür, die offensichtlich in den Berg oder in die Keller der Burgruine führte. Nun wollte er ausprobieren, ob der Schlüssel vielleicht in das

Schloß passe - und wirklich so war es. Jedoch bekam der Schäfer in diesem Moment es mit der Angst zu tun und er getraute sich nicht, die Tür zu öffnen. Er eilte ins nahe Dorf, um Leute zu holen. Als sie aber an die besagte Stelle kamen, war von der geheimnisvollen Tür keine Spur mehr zu finden.

Am Heiligenberg, der auch „Fünf-Wunden-Berg" genannt wird, steht heute ein hohes Sandsteinkreuz auf einem breiten Sockel. Von ihm ist folgende Geschichte bekannt: Es muß im Jahre 1893 gewesen sein; einem alten Bauern wurde vom Schicksal hart mitgespielt. Ihn drückte eine schwere Sorge. Als er auf dem Weg von Bad Bocklet nach Windheim an dem alten verwitterten Holzkreuz vorbeikam , das am Heiligenberg oder „Fünf-Wunden-Berg" liegt , trug er dem Gekreuzigtensein Herzeleid vor und versprach , wenn der Herrgott ihm helfen wollte, sich dafür einzusetzen, an dieser Stelle ein neues Kreuz aus Stein anstatt des alten und beschädigten zu errichten.

Schon bald ging die flehentliche Bitte des Alten in Erfüllung und er löste sein Versprechen ein, indem er dem Bürgermeister seine damaligen Sorgen und sein Gelübde vortrug. Dieser bestätigte die Dankespflicht des Bauern und leitete eine große Sammlung in seiner Gemeinde ein. Und bald stand am „Fünf-Wunden-Berg" ein schönes neues Steinkreuz.

Von der Stätte des einstigen Dionysiusklösterchens bei Kleinbrach ist die Sage bekannt, daß dort die Geister der Mönche umherirren und die vergrabenen Klosterschätze bewachen. Niemandem sei es zu raten, ihr stilles Reich zu stören oder gar sich ihrer Schätze zu bemächtigen; schwere Strafen wären unausbleiblich.

In einer Spinnstube zu Großenbrach unterhielten sich einst die Mädchen auch über Schauergeschichten und Gespenster. Eines von ihnen beteuerte seine Furchtlosigkeit und wollte

sie auch unter Beweis stellen. Es behauptete sogar, bei Nacht allein die nahe Ruine des Klösterchens zu betreten. Als Beweis für die Unerschrockenheit verlangten die Kameradinnen eine grüne Ofenkachel der „Ruine Gnisy", wie man die sagenumwitterte Stätte im Volksmund scherzhaft nannte, vorzuzeigen.

Die mutige Maid machte ernst, nahm aber zu ihrem Schutz eine Schere, ein Zwirnknäuel und eine schwarze Katze mit. Ihre Kameradinnen begleiteten sie ein Stück des Weges. Das Mädchen betrat auch das Ruinengelände und brach, wenn auch mit zitternden Händen, eine grüne Kachel – das Corpus delicti – aus dem vermoosten Gemäuer. Gerade wollte es den so gefürchteten Ort verlassen, als eine tiefe, hohle Stimme ihm zurief: „Hättest du nicht die Kniffene-Knaffene (= Schere) bei dir, und nicht das Knäuel mit den vielen Kreuzen und nicht deine schwarze Katze, so hätte ich dir den Hals umgebrochen".

Voller Entsetzen hastete das Mädchen in die Spinnstube zurück, zeigte die verlangte Kachel vor und eilte nach Hause. Seit diesem Erlebnis war das früher so frische und lebenslustige Mädchen still und einsilbig, wurde von Tag zu Tag blasser und kränkelte dahin. Noch im gleichen Jahr trug man es zu Grabe.

Einen Kilometer südlich von Roth oder 3 km nordöstlich von Bad Bocklet liegen im Laubwald auf einer Bergkuppe die letzten Trümmer der Burg Steineck. Hier hausten nach der Sage entartete Ritter, die „ein heilloses Leben führten, zechten und fluchten und an keinen Gott und an keine Erlösung glaubten". Sie raubten und rafften, erpreßten und verpraßten und setzten die ganze Gegend in Furcht und Schrecken. Der einzige gute Geist des Raubritternestes war eine alte gottesfürchtige Magd, die wegen ihrer ordentlichen Gesinnung von den verkommenen Rittern nur Hohn und Spott erntete. Deswegen verließ sie, sooft sie konnte, den „Tummelplatz roher Lustbarkeiten und Laster", um unten, im nahen Dörfchen Roth bei einfachen und gesitteten Bauersleuten ihren seelischen Ausgleich zu finden und ein bißchen Wolle zu spinnen.

Wiedereinmal war es Christabend geworden und auf der Burg begann das gotteslästerliche Leben. Da eilte die Magd ins Tal, um mit ihren Bekannten den Heiligen Abend zu feiern. Erst nach Mitternacht bestieg sie wieder den Burgberg. Bald war sie ganz eigenartig berührt, daß ihr nicht wüstes Geschrei und Becherklirren entgegenhallten. Noch mehr war sie erstaunt, daß kein Fenster erleuchtet war. Als nun die Frau ganz nahe am Burgplatz angekommen war, mischten sich Erstaunen , Schreck und Grauen in ihrem Innern, denn anstelle der großen Burg lag vor ihr ein wüster Trümmerhaufen aus zerbrochenen Mauern und Türmen. Die Burg war mitsamt den gottlosen Rittern, deren verbrecherischer Lebenswandel in der Heiligen Nacht seinen Höhepunkt erreicht hatte, mit allen zusammengeraubten Schätzen wie ein Kartenhaus zusammengestürzt

Von der heutigen Ruine Steineck am Quästenberg, 1,5 km südlich von Steinach, soll einst, als die Burg noch stand, ein unterirdischer Gang unter der Saale hindurch nach Steinach geführt haben. Durch diesen geheimen Tunnel seien oft zwei hübsche junge Schloßdamen ins Dorf gekommen, um sich mit den Menschen des „einfachen Volkes" zu unterhalten. Die beiden weilten dort besonders gern bei Festen und Feiern, Tanz und Spiel und trieben mit den Burschen des Dorfes ihre Späße.

Einmal jedoch hatte die eine der beiden Grazien die von den Eltern festgesetzte Ausgehzeit überschritten, des Guten zu viel getan und bis in die Morgenstunden getanzt. Erschrocken über die späte bzw. frühe Stunde eilte sie durch den Geheimgang zum Schloß zurück. Doch bald darauf sahen die Bürger von Steinach auf der Saale blutige Wellen. Seit dieser Stunde wurden die netten Mädchen nie wieder gesehen.

Einst ging ein Mann von Steinach über das „alte Schloß" nach Windheim, östlich von Bad Bocklet. Als er an den Ruinenresten des Schlosses vorbeikam, sah er plötzlich im Burghof aus dem alten Gemäuer eine so prächtige Blume, wie er in seinem ganzen Leben noch keine gesehen hatte. Er brach sie ab und nahm sie mit.

Obwohl er sich anschickte weiterzugehen, zog ihn eine geheimnisvolle Macht mehrmals an den alten Platz zurück. Da erblickte er ein steinernes Portal zwischen dem Gemäuer. Von Neugierde geplagt trat er durch die Pforte in einen Gewölbegang. Wie war er überrascht und fasziniert, als er vor einer bildschönen Jungfrau in weißen Gewändern stand. Auf einem Tisch mit einem weißen Tuch lag ein Haufen Weizen und daneben ein Haufen Roggen. Beherzt griff der Mann zu und füllte eine Handvoll Weizen in die linke und eine Handvoll Roggen in die rechte Tasche. Dann setzte er seinen Weg nach Windheim fort.

Dort geriet der Mann aber in Erstaunen und konnte sich kaum beruhigen , denn als er in die schwer gewordenen Taschen griff, fand er in der einen pures Gold und in der anderen reines Silber. Nun wurde er von einem Goldrausch erfaßt, eilte zurück zum Schloßplatz und suchte gierig die alte Pforte im Gemäuer. Diese war aber nirgends mehr zu finden, denn er hatte die prächtige Blume, die eine Zauberblume war, verloren.

Quellennachweis und Anmerkungen

  1.    1

    Lisiecki, Josef; Hrsg. Landkreis Bad Kissingen; Sagen und Legenden aus dem Landkreis Bad Kissingen; 1982

    Vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus durch Entschließung Nr. A/11-12/3484/83 vom 29.03.1983 zum Gebrauch an Volksschulen lernmittelfrei zugelassen.

    Nachdruck – auch auszugsweise – nur mit Quellenangabe gestattet.

  2.    2

    Prof. Max H. von Frieden gibt unter Bezug auf die Notiz eines Chronisten des Würzburger Bischofs Conrad von Bibra aus dem Jahr 1542 in „Schloß Aschach“ Mainfr.-Hefte, 1960, H. 37 S. 16 diese Geschichte wieder. Auch bei Geschichten und Sagen des Kissinger Raumes S. 40

  3.    3

    L. Bechstein: Die Sagen des Rhöngebirges und des Grabfeldes 1842 „Waldaschach“ S. 125 und 126 auch Geschichten und Sagen des Kissinger Raumes S. 65

  4.    4

    Die Flurdenkmale im Landkreis Bad Kissingen Band 1 S. 44 und 45

    Denkmalforscher sagen, daß alle Wegkreuze aus Sandstein einmal aus Holz waren und aus der Zeit der Pes um 1635 stammten

  5.    5

    Geschichten und Sagen des Kissinger Raumes S. 19 von Lehrer Ebert, Großenbrach 1936

  6.    6

    Quellen-Blätter Sept. 1975 Nr. 9 S, 35/auch: Sagen des Rhöngebirges und des Grabfeldes S. 248 und 249

  7.    7

    Quellenblätter Febr. 1976 Nr. 11 S. 42/auch: Geschichten und Sagen des Kissinger Raumes S. 52, erzählt von Chr. Wecke in „Sagen der mittleren Werra, Eisenach 1891 S. 486

  8.    8

    Geschichten und Sagen des Kissinger Raumes S. 33, erzählt von Chr. Wecke in „Sagen der mittleren Werra“, Eisenach 1891

    Vor 1225 soll Graf Poppo von Henneberg ein „castrum Steinaha“ erbaut haben, das vielleicht als „Gegenstück“ zur Burg Steineck betrachtet werden kann, die südlichen von Steinach-Roth auf einer Waldkuppe lag.

1

Lisiecki, Josef; Hrsg. Landkreis Bad Kissingen; Sagen und Legenden aus dem Landkreis Bad Kissingen; 1982

Vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus durch Entschließung Nr. A/11-12/3484/83 vom 29.03.1983 zum Gebrauch an Volksschulen lernmittelfrei zugelassen.

Nachdruck – auch auszugsweise – nur mit Quellenangabe gestattet.

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Prof. Max H. von Frieden gibt unter Bezug auf die Notiz eines Chronisten des Würzburger Bischofs Conrad von Bibra aus dem Jahr 1542 in „Schloß Aschach“ Mainfr.-Hefte, 1960, H. 37 S. 16 diese Geschichte wieder. Auch bei Geschichten und Sagen des Kissinger Raumes S. 40

3

L. Bechstein: Die Sagen des Rhöngebirges und des Grabfeldes 1842 „Waldaschach“ S. 125 und 126 auch Geschichten und Sagen des Kissinger Raumes S. 65

4

Die Flurdenkmale im Landkreis Bad Kissingen Band 1 S. 44 und 45

Denkmalforscher sagen, daß alle Wegkreuze aus Sandstein einmal aus Holz waren und aus der Zeit der Pes um 1635 stammten

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Geschichten und Sagen des Kissinger Raumes S. 19 von Lehrer Ebert, Großenbrach 1936

6

Quellen-Blätter Sept. 1975 Nr. 9 S, 35/auch: Sagen des Rhöngebirges und des Grabfeldes S. 248 und 249

7

Quellenblätter Febr. 1976 Nr. 11 S. 42/auch: Geschichten und Sagen des Kissinger Raumes S. 52, erzählt von Chr. Wecke in „Sagen der mittleren Werra, Eisenach 1891 S. 486

8

Geschichten und Sagen des Kissinger Raumes S. 33, erzählt von Chr. Wecke in „Sagen der mittleren Werra“, Eisenach 1891

Vor 1225 soll Graf Poppo von Henneberg ein „castrum Steinaha“ erbaut haben, das vielleicht als „Gegenstück“ zur Burg Steineck betrachtet werden kann, die südlichen von Steinach-Roth auf einer Waldkuppe lag.